Besonders in Zeiten der hormonellen Umstellung leiden bis zu einem Drittel aller Frauen  an Schilddrüsenfunktionsstörungen, am häufigsten an einer Unterfunktion. Leider bleibt das allzu oft unerkannt – mitunter mit fatalen Folgen.

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Kleine Drüse – Riesenaufgabe
Die Schilddrüsenhormone steuern u.a. unseren Stoffwechsel, die Fettverbrennung, den Temperaturhaushalt sowie unsere Stimmung. Darüberhinaus beeinflussen sie die Fertilität, d. h. Fruchtbarkeit der Frau. Da Bindungsstellen für die Schilddrüsenhormone in nahezu allen Körperzellen vorkommen, wird schnell klar: Sie haben einen unglaublich großen Einfluss auf unser Leben.

Schilddrüse in Balance – das Leben ist schön!
Du fühlst dich kraftvoll, wach und energetisch. Dein Temperaturhaushalt ist ausgeglichen  und du brauchst im Juli keine Socken im Bett.  Der Schlaf ist erholsam und tief; er lässt dich ausgeruht und motiviert in den nächsten Tag starten. Deine Haut ist fest und deine Haare sind kräftig und glänzend. Das Wunderbarste ist, dass du mit wenig Aufwand und ein bisschen mehr Bewegung gut abnehmen kannst, wenn du das möchtest. Dein Wohlfühlgewicht hältst du spielend. Frauen, die schwanger werden möchten, müssen nicht lange auf ein Baby warten. Ansonsten ist der Zyklus, soweit noch vorhanden, regelmäßig. Und: Du hast Lust auf Sex.

Schilddrüse oder Perimenopause?
Besonders in Phasen des hormonellen Umbruchs wie in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft und in der Perimenopause, kommt es häufig zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Die Symptome sind extrem vielfältig. Sie reichen von depressiver Verstimmung mit Angstgefühlen, Überforderung und  permanenter Müdigkeit über unkontrollierbare stetige Gewichtszunahme und Störungen im Wärmehaushalt bis hin zu Haarausfall, Gelenkschmerzen, Brain fog, Hautveränderungen, Schlafstörungen und Libidoverlust. Die häufigste Schilddrüsenfunktionsstörung ist die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise die Schilddrüse angreift. Durch diese Entzündungsreaktion mit einhergehender  Zerstörung von Schilddrüsenzellen kann das fein aufeinander abgestimmte Hormonsysteme nicht mehr seinen Aufgaben nachkommen. Da sich die Symptome einer “müden” Schilddrüse mit vielen Beschwerden der Menopause überschneidet, kommt es hier oft zu Verwechslungen und Bagatellisierungen.

Die ganzheitliche Schilddrüsentherapie als Weg zur Gesundung
Auf meinen Vorträgen antworte ich gerne auf die Frage,  was denn nun das Wichtigste in der Therapie bei Schilddrüsenerkrankungen ist: Sie auf dem Plan zu haben!
Wenn an eine Störung unseres circa 20 Gramm leichten Superorgans gedacht wird, ist dies mit einer einfach durchzuführenden Blutuntersuchung abzuklären. Dabei werden u.a. die Schilddrüsenhormone und bestimmte Antikörper bestimmt, da das Immunsystem im Fokus steht. Es handelt es sich also nicht ausschließlich um ein Problem der Schilddrüse, sondern des Gesamtsystems. Dieser Ansatz bestimmt auch die Therapie.

Oft fühlen sich Frauen, die ausschließlich ein synthetisches Schilddrüsenhormonpräparat einnehmen, langfristig nicht gut eingestellt. Auch wenn die Laborwerte “wieder normal“ sind. Das weltweit am häufigsten verabreichte Medikament ist das L-Thyroxin. Es handelt sich um die inaktive Form des benötigten Hormons und muss in verschiedenen Organen aktiviert werden. Eine gute Leber- und Darmfunktion sind hierbei die Voraussetzung. Auch die Ernährung hat großen Einfluss: Beispielsweise geben über 50 Prozent der Hashimoto-Patientinnen eine deutliche Besserung an, wenn sie auf das im Weizen enthaltene Gluten verzichten. Aber auch ein guter und achtsamer Umgang mit Stress und die damit verbundene Regulierung des Cortisols sind wichtig. Unter Dauerstress zieht die Schilddrüse nämlich gewissermaßen die Notbremse!

Außerdem müssen die weiblichen Hormone Progesteron und Östrogen im Blick behalten werden. Hormonschwankungen oder -mängel unserer wichtigsten weiblichen  Hormone können ganz ähnliche Symptome wie eine Schilddrüsenfunktionsstörung hervorrufen. Ein ausgeglichener Progesteronspiegel steht in engem Zusammenhang mit einer optimalen Schilddrüsenfunktion. Darüber hinaus wird eine Östrogendominanz mit dem Auftreten von Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht. Neueste Forschungen zeigen auch den deutlichen Zusammenhang von Umweltbelastungen (BPA, Mikroplastik, Toxine) mit Schilddrüsenerkrankungen und einer Östrogendominanz. Also auch das gilt es, in moderne Therapien miteinzubeziehen. Kommt eine Frau in die Perimenopause, dann verändern sich die Hormonspiegel. Da so viele Frauen in diesem Lebensabschnitt auch Probleme mit der Schilddrüse haben, spricht man von der Thyreopause (lateinisch: Thyroidea für Schilddrüse).

Wichtig: Vitamin- und Mineralstoffmangel ausgleichen!
Selbst Patientinnen, die sich ausgewogen ernähren, haben oft einen nachweisbaren Mangel an Selen, Zink, Vitamin D (alle drei sind wichtig für das Immunsystem!) und Vitamin B12. Diese Unterversorgung muss dringend ausgeglichen werden. Ebenso ein Eisenmangel, denn essenzielle Schritte zur Herstellung ausreichender Schilddrüsenhormone sind eisenabhängig. Außerdem ist Eisenmangel eine weitere Ursache für Haarausfall.
Last but not least und ebenfalls superwichtig: Achte auf deine Darmgesundheit! Ein gesundes Mikrobiom (Darmflora) stärkt das Immunsystem. Probiotika, pflanzliche Proteine und viel buntes Gemüse sind hier die beste Wahl.

Quellen-Auswahl:
Caufriez A et al: Progesterone prevents sleep disturbances and modulates GH, TSH, and melatonin secretion in postmenopausal women. Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 2011; 96 (4): 614–623

Fasano A et al: Leaky gut and autoimmune diseases. Clinical Reviews in Allergy & Immunology 2012; 42 (1): 71–80

Müssig K et al: Thyroid peroxidase antibody positivity is associated with symptomatic distress in patients with Hashimoto’s thyroiditis. Brain, Behavior, and 17 Immunity 2012; 26 (4): 559–563

Rasic-Milutinovic Z et al: Potential Influence of Selenium, Copper, Zinc and Cadmium on L-Thyroxine Substitution in Patients with Hashimoto Thyroiditis and Hypothyroidism. Experimental and Clinical Endocrinology & Diabetes 2017; 125 (02): 79–85

Gesamtes Literaturverzeichnis in Midlife Care, Lübbe, 2020

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