Heute ist Weltfrauentag. Auch in 2020 werden in vielen Ländern der Welt immer noch Mädchen und Frauen, die sich politisch und gesellschaftlich engagieren, verfolgt, mit Säure oder Feuer attackiert und müssen um ihr Leben fürchten.

Bildung, Zugang zu gesundheitlicher Versorgung und finanzielle Eigenständigkeit ermöglichen Frauen ein selbstbestimmtes Leben. Hierzulande sind wir schon sehr weit. Dennoch sagte Franziska Giffey, unsere Bundesministerin für Familie, Senioren und Frauen am Freitag in einer Debatte im Bundestag zum Weltfrauentag: „Gleichstellung ist kein Naturgesetz“. Frauen müssen ein Drittel mehr Bewerbungen schreiben für dasselbe Jobangebot und sich auch ansonsten immer noch mehr ins Zeug legen als die Boygroup. Für weniger Geld, versteht sich: Immer noch erhalten wir mehr als 20 Prozent weniger Lohn für die gleiche Arbeit. Für alles andere wie Kindererziehung, Elternpflege, ehrenamtlichen und sozialen Einsatz gibt es den warmen Händedruck und sonst nix. Da liest sich die Nachricht komisch, dass drei Viertel der Frauen in Deutschland berufstätig sind und 70 Prozent ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Erstens, warum auch nicht und zweitens: Was soll an dieser Nachricht toll sein, wenn es für weniger Geld ist.

An dieser Front gibt es also immer noch einige zu tun, Quote hin oder her.

Wie sieht es in der Medizin aus?

Ob anatomische Untersuchungen, Pharmaforschung, Entwicklung neuer Medikamente, Dosierung etc. – Maßstab ist immer noch der Männerkörper. Es ist schon lange bekannt, dass ein Herzinfarkt bei Frauen sich nicht durch typische Schmerzen in der Brust mit Ausstrahlung in den linken Arm zeigt, sondern mit Bauch- oder Rückenschmerzen, Übelkeit, Atemnot einhergehen kann. Deshalb ordnen Frauen und auch immer noch Ärzte diese Beschwerden falsch zu. Frauen gehen dann zu spät zum Arzt und sterben öfter an einem Herzinfarkt.

Die große Erschöpfung ist bei Frauen, vor allem wenn sie Job und Familie vereinbaren müssen, fast schon vorprogrammiert. Was lange gut geht, mündet in den 40ern, wenn auch noch unsere körperlichen Antreiber, die Hormone anfangen zu schwanken, in einem Streik von Körper und Seele. Chronische Krankheiten explodieren jetzt, wenn nicht endlich mehr auf sich selbst geachtet und die Reißleine gezogen wird.

Selbstfürsorge, Neinsagen, Grenzen setzen, Unterstützung und noch Vieles mehr einfordern, was einem „natürlicherweise“ zustehen sollte, das ist unser Appell zum Weltfrauentag oder wie es eine Abgeordnete am Freitag im Bundestag auf den Punkt brachte: „Wir wollen nicht die Hälfte des Kuchens, sondern die Hälfte der Bäckerei.“

Quellen: Frauen benötigen andere Medizin als Männerhttps://www.tagesschau.de/inland/geschlecht-krankheit-101.html Bundestagsdebatte zum Frauentag am 8.3.2020https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/heute-journal-vom-6-maerz-2020-100.html

 

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