Unsere biologische Uhr und das Belohnungszentrum im Gehirn sind miteinander verlinkt. Das ist das Ergebnis von aktuell veröffentlichten Daten einer Studie der Universität von Virginia, USA.

Hochkalorisches, also uns glücklich machendes Essen wie Eiscreme oder Hamburger, stört unseren Nahrungs-Biorhythmus mehr als bislang vermutet und führt darüber zu Übergewicht.

Nahrung steht uns heute rund um die Uhr zur Verfügung. Wir haben nachts Hunger? Kein Problem: Tiefkühlpizza in den Backofen oder ab zur Tankstelle oder zum 24-Stunden-Dönerladen. In der Geschichte der Menschheit ist dieser „pradiesische“ Zustand relativ neu. Er besteht in unserer westlichen Kultur seit circa 50 Jahren. Hinzu kommen die Fertigprodukte, die nachweislich mehr Zucker, Fett und künstliche Zusatzstoffe enthalten. Schlagen wir dann zu, wenn der Körper eigentlich auf Verdauungs- oder Erholungsmodus geschaltet ist wie am späten Abend und nachts, dann boykottiert das noch einmal doppelt jede Diät.

Unsere biologische Uhr (Chronobiologie)

2017 erhielten drei Wissenschaftler den Nobelpreis für die Erforschung der inneren Uhr. Alle Lebewesen auf der Erde, Pflanzen eingeschlossen, richten sich nach Hell- und Dunkel, also Sonnenauf- und Untergang, nach den Mondzyklen sowie den Jahreszeiten. Sie haben sich vielleicht schon als Kind darüber gewundert, dass auf den riesigen Sonnenblumenfeldern im Süden die Blumen morgens auf der Hinfahrt an den Strand ihre Köpfe in die eine Richtung halten und abends auf der Fahrt in die Ferienunterkunft in die andere Richtung. Das ist ein praktisches Beispiel dessen, was die biologische Uhr leistet. 

Der Steurmechanismus liegt in den Genen in unseren Zellkernen. Es ist keine Frage, dass eine ungeheuere Präzision nötig ist, um jede Körperfunktion an den Tag- und Nachtrhythmus anzupassen. Das betrifft nicht nur unsere Schlafhormone, die bei Dunkelheit ausgeschüttet werden und für die nötige Bettruhe sorgen (wenn wir sie nicht durch endloses in-die-Lichtquelle/Tablet-schauen beim Netflix-Serienmarathon unterdrücken), sondern auch der Stoffwechsel und sogar die 100 Billionen Darmbakterien richten sich in diesem Sinne nach einer inneren Uhr. Man spricht auch vom zirkadianen Rhythmus (lateinisch: circa, ungefähr am Tag).

Seit der Erfindung der Elektrizität hat es unseren Organismus allerdings aus seiner Uhr herauskatapultiert. Heute kann und wird rund um die Uhr gearbeitet, d. h. die Nacht zum Tag gemacht. Bei Langstreckenflügen werden innerhalb weniger Stunden mit dem Flugzeug verschiedene Zeitzonen durchquert. Das ist für den Körper eine Marathonleistung und nicht ohne Weiters zu bewerkstelligen, zu sehr ist die Arbeit von Millionen Botenstoffen, Enzymen, Zellprozessen im Körper auf den Tag- Nachtrhythmus eingestellt. Darum der Jetlag und darum ist Schichtarbeit auch so belastend. Selbst Piloten, die schon jahrzehntelang Langstrecke fliegen, erzählen, dass der Körper sich nie an die Umstellung durch die Zeitdifferenz gewöhnt.  

Das Schlafhormon Melatonin wird nur bei Dunkelheit ausgeschüttet, ist also aufs Engste mit dem Nachtrhythmus verbunden. Wir dieser ständig ausgehebelt, indem die Nacht zum Tag gemacht wird, zu wenig geschlafen wird o.ä., dann können genetische Veränderungen im Zellkern stattfinden und Reparaturprozesse unterdrückt werden.  

Weitere Faktoren die maßgeblich den Tag-Nachtrhythmus beeinflussen: 

Alkohol, Kaffee, Stress, hormonelle Veränderungen, starke Temperaturschwankungen, das Alter. Mit zunehmendem Alter wird die Chronobiologie anfälliger für Störfaktoren. Umso wichtiger ist es, sich mit seiner individuellen inneren Uhr vertraut zu machen. Wieviel Schlaf brauche ich, wann sollte ich ins Bett gehen, damit es mir gut geht, wie viele durchwehte Nächte verkraftet mein Körper gut, wann wird es kritisch. Schlafmangel kann die Konzentration, das Sättigungsgefühl, das Energielevel und auch Alterungsprozesse des Körpers negativ beeinflussen. 

Wir raten zum Schlaf – nicht nur für die Figur!

Quelle: Ryan M. Grippo et al: Dopamine Signaling in the Suprachiasmatic Nucleus Enables Weight Gain Associated with Hedonic Feeding. Current Biology, 2020; http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2019.11.029

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.