Unsere Nahrung beeinflusst unsere Hirnleistung und seelische Gesundheit weit mehr als bisher angenommen. Im Medizinstudium lernen die Studenten schon zu Beginn, dass die Blut-Hirn-Schranke unser Gehirn vom restlichen Körper abschirmt. Diese Zweiteilung – Gehirn/Psyche auf der einen Seite und der Körper abgekoppelt auf der anderen – ist nicht nur bei Ärzten, sondern auch bei vielen Menschen tief in ihrem Wissen verankert.

Noch immer hält sich, oft auch unbewusst, die Vorstellung, dass im Oberstübchen etwas nicht richtig läuft, aber im Körper alles ok ist. Hartnäckig ist diese Spaltung seit Beginn der klassischen Psychoanalyse manifestiert. Doch es verändert sich. Die funktionelle Betrachtung von Störungen auf körperlicher und seelischer Ebene ist auf dem Vormarsch und wird durch aktuelle Studien aus den jungen Feldern u.a. der Neuroimmunologie und – ganz aktuell – in der Nutritional Psychiatry erforscht. Das ist wunderbar, denn nur so kann ein komplexes Verständnis des Menschen und in der Folge auch ganzheitliche Heilung gelingen.

Die Nutritional Psychiatry (englisch: nahrungsbedingt, nahrungsabhängig) ist ein junges Feld der Wissenschaft, in dem Gas gegeben wird und wichtige Fragen gestellt werden, welche die Wechselwirkungen zwischen Nahrung und seelischer Gesundheit beantworten. Gute Ernährung und der Ausgleich von Vitamin- und Mikronährstoffmängeln sind Teil der ganzheitlichen Behandlung von psychischen Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen.

Aktuelle Studien stellen Zusammenhänge zwischen Symptomen wie Konzentrationsstörungen, Einschränkung der Lernfähigkeit und des Gedächtnisses oder „brain fog“ (einem nebligen Gefühl im Kopf) her. Auch Angststörungen, Depressionen und Demenzerkrankungen stehen in Zusammenhang mit oxidativem Stress, der durch einen hohen Gehalt an raffiniertem Zucker, ungesunden Fetten und weiterverarbeiteten Lebensmitteln verursacht wird. Die daraus resultierenden Störungen im Insulinhaushalt und die Förderung von silent inflammation (stillen Entzündungen) haben deutliche Auswirkungen auf die Funktion unseres komplexesten Organs: unser Gehirn.

Quelle: Sarris J et al: Nutritional medicine as mainstream in psychiatry. Lancet Psychiatry. 2015 Mar;2(3):271-4. 

https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(14)00051-0/fulltext

Auch Stress entscheidet über die Verwertung der Nahrung.

Und auch unser Mikrobiom im Darm beeinflusst unsere seelisch-mentale Verfassung. Die ganzheitliche Betrachtung des Menschen ist nicht neu. In allen Kulturen ist sie in der Heilkunst verankert, jedoch leider in der westlichen Lebensweise zunehmend auf der Strecke geblieben. Neue Studien werden helfen, weitere, konsequentere Schritte zu gehen, weg von der symptomorientierten, mechanistischen Entwicklung im Gesundheitswesen, in dem oft nur die Ausschnitte komplexer Zusammenhängen betrachtet werden.

In Zukunft wird es immer mehr darum gehen: Wie kann gute Ernährung gelingen, schmecken und heilen? Was braucht unser Gehirn? Was liebt der Darm? Welche Rolle spielen Stress und Stressbewältigung? Diese Themen werden uns hier bei LESS immer wieder beschäftigen.

Food for your mood:

  • Das Gehirn liebt fetten Fisch. Ersetzen Sie rotes Fleisch öfter durch Wildlachs & Co.
  • Gesunde Fette stecken u. a. in Samen, Nüssen und Leinöl.
  • Dunkle Schokolade ( 70% Kakao und mehr) ist gesund fürs Gehirn und durch den Serotoninanteil bestens für die Stimmung!
  • Gemüse, Gemüse, Gemüse (Broccoli, Süsskartoffeln)
  • Kräuter (Koriander, Petersilie, Basilikum und Co.)
  • Gewürze (Kurkuma, Zimt, Pfeffer usw.)
  • Fermentiertes für den Darm (z.B. Kimchi, Miso, Sauerkraut)
  • Beeren und Früchte (nicht zu viel wegen des Fruchtzuckers)
  • Inflammation meiden: wenig/keinen raffinierten Zucker sowie Süßigkeiten mit viel „E“ (künstlichen Zusatz-, Farb- und Konservierungsstoffen)
  • Max. 2-3 Gläser Alkohol in der Woche 

Eine Ernährung mit gesundem Gemüse, viel Ballaststoffen, die vitaminreich und frisch zubereitet wird, ist ein wahrer Booster für unser Immunsystem und schützt gegen Entzündungen und oxidativen Stress.

Aktuell entwickeln wir ein Programm, das die Darm-Hirnachse unterstützt, das Immunsystem balanciert, die Hirnfunktion bestmöglich fördert und die neuesten Erkenntnisse umsetzbar macht.

Lexikon

Silent inflammation

Darunter versteht man eine stumme, permanente Entzündung, die den ganzen Körper betreffen kann. Typischerweise, und das sagt der Name aus, gibt es keine klinischen Entzündungszeichen oder Symptome wie z. B. Fieber im Gegensatz zu einer akuten Entzündung.

Als wichtiger Test, um eine silent inflammation nachzuweisen, gilt die Bestimmung des CRP (C-reaktives Protein), ein Entzündungsparameter, hier insbesondere das hs-CRP (high-sensitivity C-reactive protein). Innere oder äußere Reize wie chronische Schlafstörungen oder ein Leaky gut-Syndrom (eine durchlässige Darmwand), die normale Körperabläufe behindern, können eine stumme Entzündung verursachen und chronische Erkrankungen sowie den Alterungsprozess fördern.

Blut-Hirn-Schranke

Es gibt im Körper eine natürliche Barriere zwischen unserem Blutkreislauf und dem Gehirn und Rückenmark (Zentrales Nervensystem). Mit dieser natürlichen Schranke schützt sich das Gehirn vor Schadstoffen. Nur für das Gehirn unschädliche Stoffe können aus der Blutbahn ins Gehirn hinein-und hinaus gelangen. Es existieren verschiedene Transportsysteme, damit einige wichtige körpereigene Stoffe durch die Filterbarriere durchkommen können. Wenn die Blut-Hirn-Schranke durch äußere oder innere Faktoren wie einen Bakterienbefall gestört wird, wird sie durchlässiger für Toxine und andere Fremdstoffe. Dann besteht die Gefahr für Hirnfunktionsstörungen.

Oxidativer Stress

In den Körperzellen werden so genannte Freie Radikale als Stoffwechselzwischenprodukte gebildet. Das ist erst einmal nichts Schlechtes – im Gegenteil. Der Körper nutzt freie Radikale (in Maßen), um Krankheitserreger unschädlich zu machen. Nimmt die Anzahl der Freien Radikalen allerdings über die Maßen zu, dann sprechen wir von Oxidativem Stress. Es kommt zu einem Ungleichgewicht, das die gesunde Zellteilung und körpereigene Reparaturmechanismen stört. Radikalenfänger wie z. B. die in vielen Obst- und Gemüsesorten enthaltenen Carotinoide, Flavonoide, Vitamin E und Vitamin K binden Freie Radikale im Körper.   

 

 

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