Interessante Sitzung – ernstes Thema:

Erschöpfung ist ein allgegenwärtiger Zustand, mit dem wir nicht nur beruflich konfrontiert werden. Es lohnt sich immer wieder, da einmal ganz genau hinzusehen.

Es gibt zahlreiche körperliche und seelische Ursachen, die zu massiver Erschöpfung führen können. Um unsere Patienten bestmöglich zu behandeln, müssen die Krankheitsbilder, die sich mit dem Symptom der Erschöpfung/Ermüdung zeigen, voneinander genau abgegrenzt werden. Es ist wichtig, diese nicht miteinander zu vermischen, um falschen (oder gänzlich fehlenden) Behandlungsstrategien vorzubeugen und die Wissenschaft zum Wohle der Patienten zu fördern. Das war Gegenstand der Sitzung im Bundestag am 5.3.20 unter Beteiligung von ca. 30 Vertretern aus Politik, Krankenkassen, Ärzten und Betroffenen.

Was ist das Chronische Fatigue Syndrom (CFS)

  • CFS ist eine schwere, eigenständige neurologische Erkrankung.
  • 250.000 Patienten in Deutschland sind betroffen, die Dunkelziffer ist hoch.
  • 25 Prozent der Patienten können das Haus nicht mehr verlassen, 75 Prozent sind arbeitsunfähig.
  • 75 Prozent der Erkrankten sind Frauen; besonders betroffen ist die Altersgruppe zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr.

CFS – selbst den meisten Ärzten ist das Krankheitsbild nicht geläufig

Meist tritt die Erkrankung nach einem schweren Virus  wie dem Epstein-Barr-Virus (EBV) auf. Die genaue Ursache ist jedoch noch nicht erforscht und weitgehend unbekannt. Man weiß lediglich, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, die alle Körpersysteme beeinflussen kann und zu massiver schneller Erschöpfung führt. Oft besteht eine Belastungsintoleranz, d. h. auf Licht, Berührung und Geräusche wird sehr empfindlich reagiert.  Hinzu kommt eine tiefe Müdigkeit, die als Fatigue oder Ermüdungssyndrom bezeichnet wird. Stress fördert die Symptome oder kann sie verschlechtern.

Wichtig: CFS ist KEINE Befindlichkeitsstörung. Betroffene stellen sich NICHT an oder haben nur einen fehlenden Willen. Das CFS hat auch nichts mit der Erschöpfung zu tun, die jeder von uns schon einmal mehr oder weniger durchgemacht hat. Die Betroffenen geben an, dass ihr Energieniveau niedriger ist als beispielsweise nach einer schweren Influenza, der „echten“ Grippe. Wer die schon einmal hatte, weiß, was das heißt.

CFS-Patienten sehen sich schon zu alltäglichen Dingen nicht imstande. Die Energie reicht dann entweder nur für eine Dusche oder das Frühstück, aber für beides fehlt die Kraft. Oft können Betroffene sogar nur noch im abgedunkelten Raum liegen oder sind komplett pflegebedürftig.

Wichtig ist auch, dass bei der Diagnosestellung eines CFS die Abgrenzung zur Fatigue aufgrund einer anderen Ursache erfolgt. Ein Erschöpfungssyndrom kann nämlich als Begleitsymptom z. B. bei MS (Multipler Sklerose), bei Krebserkrankungen, Depression, Burnout oder Hormonstörungen vorkommen.

In Deutschland gibt es bisher nur zwei Hochschulambulanzen für CFS-Patienten

Bei der Sitzung im Bundestag wurde deutlich, dass weitere Aufklärung und Forschung zu diesem Thema dringend notwendig sind. Da die Erkrankung nicht Bestandteil des „Lernkataloges“ des Medizinstudiums ist, kommt sie in der Weiterbildung praktisch nie vor. Als Folge werden bis zu 90 Prozent der Patienten nicht- oder fehldiagnostiziert, folglich in ihrem Leiden nicht gesehen. So gibt es in Deutschland überhaupt nur zwei Hochschulambulanzen, die auf das Themas  spezialisiert sind: Die Immundefektambulanz der Charité Berlin unter Leitung von Frau Prof. Scheibenbogen und die Ambulanz für Kinder und Jugendliche der Kinderklinik Schwabing der TU München unter Leitung von Frau Prof. Behrends.

Es ist wirklich an der Zeit, diese Erkrankung ernst zu nehmen und mehr Fördermittel in Aufklärung und Forschung zu investieren. Wieder einmal wurde – auch in dieser aktuellen Sitzungsdebatte – deutlich, dass die „sprechende Medizin“ besser vergütet werden muss. Gerade chronisch kranke Menschen benötigen mehr Zeit mit ihrem behandelnden Arzt als es die aktuelle 7-Minuten-Hausarzt-Medizin vorsieht. Nur dann kann sowohl fachlich als auch menschlich den Patienten die Zuwendung entgegengebracht werden, die sie so dringend benötigen.

Herzlichen Dank für die Einladung zu dieser informativen Veranstaltung!

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.